Grafik: Psychotherapie oder Soziotherapie?

Psychotherapie vs. Soziotherapie – Unterschiede & Gemeinsamkeiten

Was macht Soziotherapie? Was macht Psychotherapie?

Im Gegensatz zur Psychotherapie werden bei der Soziotherapie mehr Achtsamkeit auf die sozialen, häuslichen und beruflichen Aspekte eines Menschen gegeben. Soziotherapie geschieht eher durch: Vor- und Mitmachen, Anleiten, Zeigen, motivieren, kontrollieren, Animieren und Informieren. Das Vorgehen hat mehr pädagogische und psychoedukative Anteile, im Gegensatz zu Psychotherapien, in denen die Sprache das Hauptmedium ist.

An dieser Stelle möchte ich kurz zu einem interessanten Beitrag verlinken, der sich dem Thema „Soziotherapie – mehr oder weniger anders als …“ widmet. HIER DER LINK ZUM BEITRAG…

Unterschiede zwischen den beiden Therapieformen

SOZIOTHERAPIE

  • Niedrige Zugangsschwelle (Rezept), Soziotherapie wird mittels Heilmittelverordnung verschrieben (ähnlich Physiotherapie)
  • weniger Anforderungen an Motivation, „Krankheitseinsicht“, Introspektions- und Verbalisierungsfähigkeit
  • Eine Therapie des „sozialen Aspektes“ eines Menschen unter Einbeziehung seines sozialen Umfeldes. Ein Soziotherapeut beleuchtet auch Probleme im häuslichen und beruflichen Umfeld
  • Ziele: Förderung und Erhalt der Alltagsbewältigungsfähigkeiten, Sicherstellen der medizinischen und persönlichen Grundversorgung, Vermeidung von selbstausgrenzenden Verhalten, Integration
  • Soziotherapie ist meist aufsuchend ! Das bedeutet, dass der Soziotherapeut zum Patienten nach Hause geht und die Therapie praktisch und lebensnah durchführt.

PSYCHOTHERAPIE

  • hohe Zugangsschwelle (Antrag)
  • hohe Erwartung an Motivation, Krankheitseinsicht, Kooperations- und Introspektionsfähigkeit
  • Therapie der „Seele“ der „Psyche“, der Patient soll besser mit sich selbst und mit seinen Gedanken und Gefühlen zurecht kommen
  • Ziele: Konzentration auf Individuation und einer Stärkung des Ich, Persönlichkeitsentwicklung und -Entfaltung durch Förderung der Reflektionsfähigkeit, Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit
  • Psychotherapie hat eine Komm-Struktur, zu einem Psychotherapeuten muss man regelmäßig hingehen, was oftmals ein großes Problem für viele Patienten darstellt
Vielleicht sollte man garnicht die Frage stellen, welche Therapieformen besser oder schlechter sind. Manchen Menschen hilft das Eine, manchen das Andere. Meiner Meinung nach sollten sich alle helfenden Therapien sinnvoll ergänzen! Die medikamentöse Therapie sollte ihre Vormachtsstellung verlieren und ergänzend eingesetzt werden, nicht vorrangig. Wie oft im Leben macht ein Therapieerfolg wohl die richtige und sinnvolle Mischung aus. Die folgende Grafik gibt einen groben Überblick über die verschiedenen Therapieformen:
Puzzle: Therapiemix der verschiedenen Therapieformen
Therapiemix – das Ineinandergreifen verschiedenster hilfreicher Therapieformen und deren Kombination als Ziel der ganzheitlichen Behandlung psychisch beeinträchtigter Menschen

Gemeinsamkeiten von Soziotherapie & Psychotherapie

Beide Therapieformen versuchen den psychisch erkrankten Menschen zu helfen, zu stärken und zu einem konfliktfreieren und zufriedenstellenden Leben anzuleiten. Soziotherapie kann man als ergänzende Leistung zur Psychotherapie sehen, aber auch als eigenständige Hilfeleistung. Soziotherapeuten können der verlängerte Arm von Psychotherapeuten sein…

Hier ein Beispiel: Eine Verhaltenstherapeutin (Psychotherapeutin) bespricht mit einer Patientin tagesstrukturierende Maßnahmen oder Maßnahmen zur Selbstversorgung. Ob und in wie weit die Patientin, die im Gespräch besprochenen Verhaltensänderungen umsetzt oder umsetzen kann, ist nicht sicher. Ein Soziotherapeut bespricht auch mit der Patientin hilfreiche Tagesstrukturierende Maßnahmen, er kann jedoch, im Gegensatz zur Psychotherapeutin, in den Haushalt der Patientin gehen und die besprochenen Handlungen vor Ort besprechen, kontrollieren und anleiten.

Auch ein sogenanntes Expositionstraining (beispielsweise das Trainieren und konfrontieren mit angstmachenden Situationen oder Orten) kann ein Soziotherapeut für die Verhaltenstherapeutin durchführen. Das ergänzen der Psychotherapie durch Soziotherapie ist beispielsweise auch sinnvoll, wenn ein Patient unregelmäßig zu den Therapiestunden kommt, diese nicht wahrnimmt oder nicht kann. Der Soziotherapeut kann in diesem Falle von der Wohnung des Patienten aus motivierend einwirken und die Kontinuität der Inanspruchnahme steigern. Somit fallen weniger Ausfallstunden bei den Psychotherapeuten an.